Kinderwunsch

Wieso kann Endometriose unfruchtbar machen?

Endometriose kann aus verschiedenen Gründen eine Schwangerschaft verhindern, etwa wenn die Eileiter durch Entzündungen verklebt werden und das Ei nicht mehr in die Gebärmutter wandern kann. Zysten können die Beweglichkeit der Eierstöcke und dadurch den Eisprung stören, und wenn Verwachsungen den Douglas-Raum, in dem das Ei vom Eileiter aufgenommen werden müsste, verkleben, kann dieses Geschehen verhindert werden.

Darüberhinaus gibt es noch nicht ganz geklärte Hinweise, dass sich die Eizellen von einigen betroffenen Frauen im Vergleich zu gesunden eher schlecht entwickeln. Auch immunologische Faktoren spielen wohl eine Rolle, vermutlich erzeugen die von der Endometriose hervorgerufenen Entzündungen im Bauchraum ungünstige Bedingungen für die Einnistung des befruchteten Eis in der Gebärmutter

Ob einer oder mehrerer diese Faktoren bei einer erkrankten Frau auftreten könnte, lässt sich nicht allgemein vorhersagen. Es ist wichtig, gemeinsam mit der Ärztin/dem Arzt, idealerweise einer Expertin/einem Experten für Endometriose, eine individuelle Diagnose und Prognose zu erstellen.

Wie kann man Fruchtbarkeitsprobleme erkennen?

Die WHO spricht von unerfülltem Kinderwunsch, wenn nach mindestens einem Jahr mit ungeschütztem Geschlechtsverkehr an den fruchtbaren Tagen keine Schwangerschaft eintritt. Bei Kinderwunsch ist es vorab sinnvoll, den eigenen Zyklus kennenzulernen, um sicherzugehen, dass man es auch an den „richtigen“ Tagen versucht. Methoden der Natürlichen Familienplanung wie die Basaltemperaturmessung, die Überprüfung des Zervixschleims  oder Zykluscomputer sind dazu gut geeignet.

Kommt nach längerer Zeit keine Schwangerschaft zustande, kann etwa die Durchgängigkeit der Eileiter im Rahmen einer Bauchspiegelung oder ambulant per Kontrastmittelultraschall geprüft werden. Diese Untersuchung wird auch Chromopertubation genannt. Dabei wird eine Lösung in die Gebärmutter gespritzt, die bei der OP oder am Ultraschall auf ihrem Weg durch die Eileiter beobachtet werden kann.

Wird diese Untersuchung bei einer OP durchgeführt, sollte man beachten, dass die starken Manipulationen an den Organen bei der Entfernung der Endometrioseherde die Eileiter anschwellen lassen können, sodass es so aussieht, dass die Eileiter nicht mehr durchgängig sind. Eventuell liegt das aber nur an der Schwellung. Man sollte bei einem negativen Ergebnis während einer großen Operation mit der Ärztin/dem Arzt besprechen, ob man die Untersuchung eventuell etwas später wiederholen sollte.

Es sollte nicht vergessen werden, dass auch der männliche Partner für den unerfüllten Kinderwunsch verantwortlich sein kann. Bei vielen Paaren in Behandlung weisen nämlich beide Partner Einschränkungen auf. Durch ein Spermiogramm, eine Analyse der Spermaprobe des Mannes, kann festgestellt werden, ob genug lebensfähige, bewegliche und richtig geformte Spermien vorhanden sind.

Wie kann man Fruchtbarkeitsprobleme behandeln?

Mittlerweile arbeiten im Fachgebiet der Reproduktionsmedizin auf solche Probleme spezialisierte ÄrztInnen mehrerer Richtungen (Gynäkologie, Endokrinologie, Andrologie) zusammen. Auch hier ist es von Vorteil, eine Kinderwunschklinik aufzusuchen, die sich häufig mit Endometriose auseinandersetzt. Einige davon findest du hier.

Gut durchgeführte Endometriose-Operationen steigern die Fruchtbarkeit von Betroffenen häufig, denn Eierstockzysten oder Verwachsungen können so beseitigt werden. Entzündungsvorgänge gehen nach der Entfernung aller Herde häufig zurück. Außerdem können eindeutige Faktoren wie vernarbte Eileiter schneller erkannt werden.

Studien zeigen, dass auch Frauen mit schwerer Endometriose nach einer Operation eher schwanger werden können. Natürlich ist es auch hier von Vorteil, sich für die OP in spezialisierte Hände zu begeben, da Fachleute den Schaden für die Eierstöcke, der durch jeden Eingriff an ihnen ausgelöst wird, eher gering halten können.

Analysen zeigen, dass kein momentan anwendbares Hormonpräparat die Fruchtbarkeit steigert. Da sie alle während der Einnahme verhütend wirken, verlängern sie nur das Intervall, in dem man nicht schwanger werden kann. Und da sie auf die Endometriose nicht deutlich verbessernd wirken, sind sie keine Therapie bei Kinderwunsch!

 

Die Reproduktionsmedizin kennt mehrere Methoden, um Paare, bei denen es auf natürlichem Weg nicht klappt, zu unterstützen:

Hormonelle Stimulation: Durch Medikamente wird die Eizellbildung angeregt und der Eisprung ausgelöst.

Insemination: Eine Spermaprobe des Mannes wird im Labor aufbereitet und – in der Regel nach hormoneller Stimulation – direkt in die Gebärmutter der Frau gespritzt.

IVF: Bei der In-Vitro-Fertilisation werden der Frau nach hormoneller Stimulation mehrere Eizellen entnommen, die im Reagenzglas mit den aufbereiteten Spermien des Mannes zusammengeführt werden, in der Hoffnung, dass sie befruchtet werden. Die am vielversprechendsten entwickelten Embryonen werden nach 2-5 Tagen in die Gebärmutter zurück transferiert.

ICSI: Der Ablauf ähnelt der IVF, nur wird ein geeignetes Spermium ausgewählt und bereits im Reagenzglas direkt in die Eizelle injiziert.

Die Statistiken zum Erfolg der Behandlungen sind widersprüchlich. Am wichtigsten für betroffene Paare ist die „Baby-Take-Home-Rate“, die angibt, wie viele Zyklen einer Behandlung nötig sind, bis nicht nur eine Schwangerschaft eintritt, sondern tatsächlich die Lebendgeburt eines Kindes erfolgt.

Nach momentanen Einschätzungen ist das pro Zyklus zu etwa 20% der Fall, wobei bei Endometriose die Ergebnisse verglichen mit anderen Paaren, die in diesem Durchschnittswert enthalten sind (etwa solche mit ausschließlichem männlichen Sterilitätsfaktor oder Frauen mit verschlossenen Eileitern ohne Endometriose), etwas schlechter sind. Geht man von 20% Baby-Take-Home-Rate pro Zyklus aus, ist durchschnittlich mit der Geburt eines Kindes nach 5 Versuchen zu rechnen. Einzelne Erfahrungen können von diesen Durchschnittswerten natürlich stark abweichen.

Einige Fruchtbarkeitstherapien werden in Österreich bei diagnostizierter Endometriose zu 70% vom IVF-Fonds finanziert (www.ivf-gesellschaft.at). Dennoch bleiben private Kosten, deren Höhe je nach Behandlungsnotwendigkeit sehr unterschiedlich ausfallen kann. Die Therapien können unterschiedliche Nebenwirkungen verursachen und psychisch belastend sein. In Österreich haben Paare allerdings während der Behandlung Anspruch auf psychologische Begleitung.

Wer überlegt, sich reproduktionsmedizinisch behandeln zu lassen oder eine Therapie wegen eindeutiger Faktoren benötigt, kann sich bei Endometriose-ExpertInnen und KinderwunschmedizinerInnen umfassend beraten lassen und sich auch in Selbsthilfegruppen mit anderen Betroffenen austauschen, um den „assistierten“ Weg zum Kind gut zu meistern.

Auch wenn das ersehnte Wunschkind ausbleibt, kann psychologische Betreuung oder der Austausch mit anderen ungewollt kinderlosen Frauen/Paaren helfen, die schwierige Zeit zu verarbeiten.

Einige Links zum Thema findest du hier.

Beeinflusst Endometriose eine Schwangerschaft oder Geburt?

Grundsätzlich nicht.

Zwar ist es in seltenen Fällen möglich, dass etwa Verwachsungen und Narben der Vor-Operationen in der Schwangerschaft schmerzen, dies kann aber häufig gut (etwa durch Massage) behandelt werden und wirkt sich nicht organisch aus. Gelegentlich benötigen Schwangere früher mehr Schonung.

Endometriose-Betroffene leiden nicht häufiger unter Fehlgeburten oder anderen Erkrankungen in der Schwangerschaft (wie Gestose oder Diabetes). Auch ihre Kinder haben kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen oder angeborene Krankheiten.

Vorfälle, bei denen tiefe Herde (etwa im Darm) oder OP-Narben während der Schwangerschaft oder bei der Geburt einreißen, sind absolute Raritäten und ermöglichen keine Rückschlüsse auf generelle Risiken für alle Betroffenen.

Wenn bei einer Adenomyose-Operation Teile der Gebärmutter entfernt wurden, wird in der Regel wegen der Narben im Uterus zu einem geplanten Kaiserschnitt geraten. Davon abgesehen gibt es aber keine Vorgaben, dass Endometriose-Patientinnen als Risikoschwangere gelten.

Individuelle Diagnostik und Begleitung durch ÄrztInnen ist auf jeden Fall wichtig. Da eventuell die Belastungen der Endometriose-Beschwerden oder die Angst vor weiteren Schmerzen weiter spürbar sind, kann auch in der Schwangerschaft psychosoziale Begleitung ein hilfreiches Angebot darstellen. Auch die Inanspruchnahme einer eigenen, sympathischen Hebamme ermöglicht oft eine schöne Schwangerschaft und Geburt.

Ein Kind zu stillen, kann dem Wiederauftreten von Endometriose vorbeugen, da so der Zyklus häufig für eine Weile komplett unterdrückt wird oder schwächer auftritt. Die WHO empfiehlt, ein Baby sechs Monate lang ausschließlich und danach neben der beginnenden festen Kost bis ins 2. Lebensjahr hinein weiter zu stillen. Eventuelle Stillprobleme können mit professioneller Beratung (etwa durch Hebammen, deren Besuche im Wochenbett unter bestimmten Bedingungen von der  Krankenkasse finanziert werden) in der Regel schnell gelöst werden.

Heilt eine Schwangerschaft Endometriose?

Auch wenn diese Information bis heute auch unter ÄrztInnen verbreitet ist: Nein!

Endometriose tritt zwar oft nach einer Schwangerschaft länger nicht oder nur leichter (wieder) auf, aber grundsätzlich besteht keine Garantie, dass sie danach langfristig wegbleibt. Auch vor der Schwangerschaft aktive Endometrioseherde können nach der Rückkehr des Zyklus wieder aktiv werden.

Andere Wege zum Kinderglück

Auch wenn der Weg zum leiblichen Kind nicht immer möglich ist, besteht die Möglichkeit, eine Adoption im In- oder Ausland zu beantragen oder ein Pflegekind dauerhaft oder vorübergehend aufzunehmen.

Diese Wege sind mit einigen, aber bewältigbaren Behördenwegen verbunden und benötigen manchmal etwas Geduld, da es mehr adoptionswillige Paare als dazu freigegebene Kinder gibt. Für Pflegekinder werden viel eher Eltern gesucht, und in einigen Bundesländern steht dieser Weg auch homosexuellen Paaren offen.

Hier  findet man hilfreiche Links auch zum Thema Kinderwunsch.