Diagnose

Da die Symptome der Krankheit und die Stellen, an denen Endometrioseherde auftreten, von Frau zu Frau verschieden sind, in der Öffentlichkeit kein großes Bewusstsein für die Krankheit herrscht, und Endometriose in der medizinischen Ausbildung nicht genug Aufmerksamkeit bekommt, ist eine Diagnose nicht immer leicht zu stellen.

Vom Auftreten erster Beschwerden bis zur korrekten Diagnose vergehen durchschnittlich immerhin 8 Jahre, in denen die Krankheit in der Regel stark voranschreitet und die betroffenen Frauen leiden, ohne zu wissen, was sie haben.

Solltest du aufgrund deiner Symptome den Verdacht haben, an Endometriose zu leiden, dann wende dich am besten an deine Frauenärztin/deinen Frauenarzt. Am besten lässt du dich allerdings von ÄrztInnen diagnostizieren und behandeln, die sich schwerpunktmäßig mit Endometriose beschäftigen. Eine Liste von empfehlenswerten Ansprechpartnern findest du hier.

Wie kann die Diagnose Endometriose gestellt werden?

Eine eindeutige Diagnose kann bisher nur durch einen operativen Eingriff gestellt werden, da eine Gewebsprobe entnommen werden muss. Heutzutage kommt man aber meist mit einer Laparoskopie aus, bei der nur 3 kleine Schnitte gesetzt werden müssen. Näheres zur Operation findest du hier.

Dennoch kann eine erfahrene Gynäkologin/ein erfahrener Gynäkologe bereits im Vorfeld einige Faktoren klären, um den Verdacht auf Endometriose zu erhärten.

Zu Beginn einer Untersuchung sollte sich die Fachärztin/der Facharzt ausführlich mit der Patientin unterhalten, sie nach ihrer Menstruation und ihren Beschwerden befragen und gezielt Fragen stellen (etwa nach Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder beim Stuhlgang).

Bei einer Tastuntersuchung kann festgestellt werden, ob in der Scheide oder im Enddarm Knoten und Schmerzempfindlichkeit spürbar sind und wie sich Gebärmutter und Eierstöcke verhalten. Mit zwei kleinen Untersuchungsspiegeln kann man den hinteren Bereich der Scheide einsehen. Dort wachsende Endometriose ist so sichtbar.

Auch eine Untersuchung mit Ultraschall kann Herde sichtbar machen. In jeder fachärztlichen Praxis ist ein Ultraschall mit einem Schallkopf für die Untersuchung durch die Scheide vorhanden.

Ultraschall ist allerdings ein benutzerabhängiges Gerät, das heißt, das Ergebnis der Untersuchung ist nur so gut wie der Anwender. Wenn eine Ärztin/ein Arzt, die/der sich wenig mit Endometriose beschäftigt, zum Beispiel keine Zysten oder Herde im Enddarm findet, das Beschwerdebild der Patientin aber dafür spricht, sollte eine zweite Meinung bei SpezialistInnen eingeholt werden.

Mit dem Ultraschall können nicht alle Endometrioseherde eingesehen werden. Vorrangig sind Zysten an den Eierstöcken, sogenannte „Schokoladezysten“, zu sehen.

Auch ein Darmherd, der weit unten im Enddarm sitzt, kann von einer Fachfrau/einem Fachmann per Ultraschall gesehen werden. Weiter oben liegende Herde bleiben dagegen oft bis zur Operation unentdeckt.

Eine von Endometriose betroffene Gebärmutter zeigt sich am Ultraschall sehr oft durch eine deutlich dickere Hinterwand oder weil sie deutlich nach hinten geknickt ist, was ein Hinweis auf ein Problem sein kann.

Am Ende des Ultraschalls sollte immer ein kurzer Blick auf die Nieren geworfen werden. Im Gegensatz zu anderen Befunden verursachen nämlich geschädigte Nieren durch von Endometriose ummantelte Harnleiter oft keine Beschwerden. Durch einen Ultraschall der Nieren kann schnell festgestellt werden, ob diese auffällig sind oder nicht.

Manchmal lohnt sich auch ein Weg zur Magnetresonanztomografie (MRT), um tief im Becken liegende Herde vorab zu sehen, wie zum Beispiel einen Herd im Douglas‑Raum.

Auch die MRT ist eine benutzerabhängige Untersuchung. Eine Radiologin/ein Radiologe muss wissen, wie sie/er das Gerät einstellt, um Endometrioseherde besser erkennen zu können. Darum ist es relevant, dass man auch dazu eine Ärztin/einen Arzt oder ein Institut aufsucht, wo diese Dinge bekannt sind.

Anhand dieser Untersuchungskette

  • Gespräch,
  • Tastuntersuchung mit Specula-Spiegeln,
  • Ultraschall und
  • eventuell MRT

kann eine Spezialistin/ein Spezialist bereits einen konkreten Verdachtsbefund erstellen. Das ist entscheidend für die richtige Auswahl einer Hormontherapie oder für eine gute Operationsplanung.

Manche Frauen haben negative Erfahrungen mit groben Tast- oder Ultraschalluntersuchungen gemacht. Auch die Schmerzen, die diese Untersuchung auslösen kann, führen dazu, dass viele Betroffene weitere ärztliche Termine meiden. Die Enge des MRTs kann Frauen mit Klaustrophobie ebenfalls verängstigen.

Wichtig ist, der Ärztin/dem Arzt gleich zu Beginn des Termins deine Ängste zu schildern. Wenn du das Gefühl hast, nicht in guten Händen zu sein, hast du jederzeit das Recht, den Termin oder die Untersuchung abzubrechen und die Ärztin/den Arzt nicht wieder aufzusuchen.

Ist eine Darmspiegelung sinnvoll?

Entgegen der landläufigen Meinung, die leider auch unter ÄrztInnen verbreitet ist, kann eine Endometriose bei einer Darmspiegelung in den meisten Fällen NICHT erkannt werden. Sie kann zwar von außen in den Darm einwachsen, bleibt aber meist bei einer bestimmten Schicht, der Mukosa, stehen und durchwächst nicht die gesamte Darmwand. Bei der Spiegelung ist innen meist nichts zu sehen, obwohl sich auf der „anderen Seite“ ein Knoten befindet. Die Darmspiegelung kann somit zwar andere mögliche Krankheiten finden bzw. ausschließen, ist aber keine aussagekräftige Untersuchung zur Bestätigung oder Ausschließung eines Darmherdes.

(Medizinische Informationen zur Verfügung gestellt von Univ. Doz. Dr. med. Gernot Hudelist – Herzlichen Dank!)